Exhibition 2


Exhibition 2 | Antike Asiatika, Henrik Eiben, Martino Gamper, Anselm Reyle
9. — 26. September 2020

  

 

 

 

  

 

STUDIO 4 BERLIN freut sich, die zweite Ausstellung des im Juli 2020 eröffneten Showrooms in Berlin-Charlottenburg bekannt zu geben. Erneut treffen Exponate aus ganz unterschiedlichen Bereichen aufeinander: Handverlesene antike Asiatika sind neben einer vierteiligen Arbeit des in Hamburg lebenden Künstlers Henrik Eiben, skulpturalen Hockern des italienischen Designers Martino Gamper und einem in den Raum hinein leuchtenden Werk von Anselm Reyle zu sehen. Vor den unverputzten Wänden treten weiche Formen, kräftige Farbflächen aus Filz und Plexiglas, Volumina aus Plastik, Folie und Licht in unterschiedlichen Farben in einen spannenden Dialog.

Das an der Stirnwand gezeigte ‚foil painting’ (Untitled, 2011) des in Berlin lebenden Künstlers Anselm Reyle aus einer Privatsammlung fasziniert durch farbige Neonröhren, die in einen Plexiglaskasten geknautschte Folie beleuchten. Die Nutzung von diversen Fundstücken, die ihrer ursprünglichen Funktion enthoben, optisch verändert und in einen neuen Zusammenhang gestellt werden, ist für Reyle charakteristisch. Der Künstler verwendet für seine Skulpturen und Installationen unterschiedliche Materialien, wie Folien aus dem Schaufensterdekorationsbereich, Farbpasten, Autolacke, Zivilisationsmüll aus dem urbanen Raum, Restbestände von Neonröhren sowie Bau- oder Elektroschrott. Insbesondere auch die Ideen des Seriellen, des Samplings und der Reproduktion spielen bei Reyle eine Rolle.

Wie Anselm Reyles Wandarbeit steht auch das Werk des Hamburger Künstlers Henrik Eiben in starkem Kontrast zu den rauen Wänden des Showrooms. Eiben sieht seine vielfarbige Arbeit ‚Giggle’ von 2019 als einen persönlichen Befreiungsschlag und sagt: „Mit ‚Giggle’ emanzipiere ich mich von meinen Vorbildern im Geiste. Ich mache mich mit ihr nicht über meine Vorgänger lustig, sondern zolle ihnen Respekt. Das Werk soll ein humoristischer Kommentar auf großartige Arbeiten meiner Idole sein und Assoziationen freilegen: Ich denke da zunächst vor allem an Blinky Palermo aber auch an Ellsworth Kelly, Frank Stella, Mark Rothko.“ Eine Plexiglasscheibe ist jeweils lapidar in einen Holzrahmen gestellt — eine Schattenfuge, die normalerweise zum Schutz des eigentlichen Kunstwerkes dient. So wird die Fuge ihrer eigentlichen Aufgabe beraubt. Sowohl der mit Filz bespannte Bildträger als auch das Plexiglas treten über den Rahmen hinaus in den Raum.

Die auf kleinen Wandregalen und Sockeln platzierten Vasen stammen aus dem chinesischen Kaiserreich. Sie haben ihren Ursprung im China der Song-Dynastie (960–1279), doch wurden sie auch während der Yuan- und der Ming-Dynastie angefertigt. Besondere Beachtung finden monochrome Porzellane, die unter dem Kangxi-Kaiser in der Qing-Dynastie (1636–1912) entstanden. In der Zeit des Qianlong-Kaisers und darüber hinaus wurden die Innovation der Glasuren und die Verfeinerung der Produktion fortgesetzt. Schon seit dem 18. Jahrhundert begeistern solche Keramiken Sammler in Europa. In vielen Teilen Europas wurden sie als lebendiges Gestaltungselement in Schlössern, Herrenhäusern und Museen verwendet. Mit der Zeit wurden viele Begriffe geprägt, um die Farbigkeit der chinesischen Glasuren zu beschreiben: Bekannte Beispiele sind „Blanc de Chine“ für Elfenbeinweiß, „Seladon“ für ein gräuliches Grün und „Imperiales Gelb“ für das eigelbfarbene Gelb. Alle Farben, die für Keramiken verwendet wurden, sind mit der traditionell chinesischen Farbsymbolik verbunden, basierend auf der Fünf-Elemente-Theorie und ihren komplexen Assoziationen — zu Planeten, himmlischen Geschöpfen, Klimazonen, Früchten und Körnern.

Martino Gampers ‚Arnold Circus Stool’ wurde 2006 für ein Sozialwohnungsbau-Projekt entworfen und diente als praktisches Sitzmöbel für diverse Events auf dem gleichnamigen Platz in London. „Nicht ein Produkt sollte entstehen, sondern eine Intervention“, sagte Gamper. Und so sind sie auch in der Ausstellung sowohl Skulptur als auch Sitzgelegenheit, um die anderen Exponate im Raum auf sich wirken zu lassen. 

Wir freuen uns, Sie in unseren Räumen in der Krumme Straße 35-36 in Berlin-Charlottenburg begrüßen zu dürfen und sind mittwochs, donnerstags und freitags von 12 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr für Sie da – gerne auch nach Vereinbarung.

 

Eva Morawietz, Katharina Maria Raab, Anahita Sadighi, Anne Schwarz